WordPress Redirect Hack bereinigen: Schritt-für-Schritt Anleitung
Deine WordPress-Website leitet Besucher auf Casino-, Pharma- oder Spam-Seiten weiter? Dann ist deine Website von einem Redirect Hack betroffen, einem der verbreitetsten Angriffsmuster auf WordPress-Installationen. Wo die Malware sitzt und wie du sie vollständig entfernst.
Von Dennis Theis aktualisiert 8 Min. Lesezeit
Was ist ein WordPress Redirect Hack?
Bei einem Redirect Hack schleusen Angreifer Schadcode in deine WordPress-Installation ein, der Besucher auf fremde Websites umleitet. Die Zielseiten sind typischerweise Casino-Portale, Fake-Shops, Pharma-Seiten oder Phishing-Websites. Der Angreifer verdient an jedem umgeleiteten Besucher.
Das Tückische: Der Redirect tritt oft nur unter bestimmten Bedingungen auf. Nur mobile Besucher werden umgeleitet, oder nur der erste Seitenaufruf, oder nur Besucher die über Google kommen. Als Website-Betreiber, der die Seite direkt aufruft, bemerkst du den Hack deshalb oft erst spät.
Symptome: So erkennst du einen Redirect Hack
Ein WordPress Redirect Hack zeigt sich durch verschiedene Symptome, die einzeln oder in Kombination auftreten können. Je früher du diese erkennst, desto geringer ist der Schaden für deine SEO-Rankings und dein Vertrauensverhältnis zu Besuchern.
- Weiterleitung auf fremde Seiten: Besucher landen auf Casino-, Pharma- oder Spam-Seiten statt auf deinem Content
- Nur mobile Geräte betroffen: Der Redirect tritt nur auf Smartphones auf, am Desktop sieht alles normal aus
- Intermittierende Weiterleitungen: Nur beim ersten Besuch oder nur für Besucher von Google
- Google Search Console Warnung: Unter „Sicherheitsprobleme“ erscheint eine Meldung
- Browser-Warnung: Chrome zeigt „Diese Website wurde möglicherweise gehackt“
- Hoster-Sperrung: Dein Hosting-Anbieter hat die Website wegen Malware gesperrt
Tipp: Teste deine Website mit dem Smartphone über eine Google-Suche (nicht über direkten URL-Aufruf). Viele Redirect Hacks triggern nur bei Besuchern mit einem Google-Referrer.
Wo versteckt sich die Malware?
Redirect-Malware kann an verschiedenen Stellen in deiner WordPress-Installation sitzen. Bei einer Bereinigung musst du alle diese Stellen prüfen. Wird auch nur eine Backdoor übersehen, kommt der Hack innerhalb von Stunden zurück.
.htaccess-Datei
Die häufigste Stelle. Öffne die .htaccess im WordPress-Stammverzeichnis
und such nach verdächtigem Code. Typische Muster:
RewriteRule-Einträge die auf fremde Domains verweisen- Base64-codierte Zeichenketten (
base64_decode) - Bedingungen die nur mobile User-Agents matchen (
Android|iPhone|iPad) - Weiterleitungen auf Domains mit zufälligen Buchstabenkombinationen
Eine Standard-WordPress .htaccess enthält den Block zwischen
# BEGIN WordPress und # END WordPress. Zusätzlich
schreiben Plugins wie WP Rocket, Wordfence oder Yoast eigene Blöcke hinein,
jeweils markiert mit # BEGIN PluginName und # END PluginName.
Diese Einträge sind normal. Verdächtig ist Code ohne solche
Kommentar-Markierungen, besonders obfuskierte Zeichenketten oder Weiterleitungen
auf unbekannte Domains.
wp-config.php
Die wp-config.php ist das zweithäufigste Ziel. Such nach:
eval(oderbase64_decode(Aufrufe@includeAnweisungen die auf unbekannte Dateien verweisen- Lange, unlesbare Zeichenketten am Anfang oder Ende der Datei
$_GET,$_POSToder$_REQUESTVariablen die nicht zum WordPress-Standard gehören
Datenbank (wp_options)
Angreifer ändern manchmal die Werte siteurl und home in der
wp_options-Tabelle. Prüf diese Einträge über phpMyAdmin.
Auch die Option active_plugins kann manipuliert sein, um ein
Malware-Plugin zu aktivieren das du im Dashboard nicht siehst.
Plugin- und Theme-Dateien
Malware versteckt sich oft in Dateien, die auf den ersten Blick wie normale Plugin-Dateien aussehen. Typische Verstecke:
- PHP-Dateien in
wp-content/uploads/(dort gehören keine PHP-Dateien hin) - Dateien mit zufälligen Namen wie
wp-tmp.phpoderclass-wp-cache.php - Manipulierte
functions.phpin deinem Theme - Unbekannte
mu-plugins(Must-Use Plugins werden immer geladen und erscheinen nicht in der Plugin-Liste)
JavaScript-Injection
Neben PHP-basierter Malware gibt es auch JavaScript-Weiterleitungen. Diese werden
in die Datenbank injiziert (oft in Post-Content oder Widget-Bereiche) und führen
ein window.location oder document.write mit einem externen
Script aus.
Bereinigung: Schritt für Schritt
Bevor du mit der Bereinigung beginnst: Lies zuerst meinen Erste-Hilfe-Guide für gehackte WordPress-Websites, um Beweise zu sichern und den Schaden zu begrenzen.
Schritt 1: Backup erstellen
Erstell ein vollständiges Backup des aktuellen Zustands (Dateien + Datenbank), bevor du etwas änderst. Dieses Backup ist deine Rückversicherung falls bei der Bereinigung etwas schiefgeht, und es dient als Beweismaterial.
Schritt 2: .htaccess prüfen und bereinigen
Lade die .htaccess per FTP/SFTP herunter und öffne sie in einem
Texteditor. Vergleich den Inhalt mit der Standard-WordPress-.htaccess. Lösch
alles, was nicht zum WordPress-Standard gehört. Prüf auch
.htaccess-Dateien in Unterverzeichnissen (wp-content/,
wp-includes/).
Schritt 3: wp-config.php prüfen
Vergleich deine wp-config.php mit der Originaldatei
wp-config-sample.php. Entfern jeden Code, den du nicht zuordnen kannst.
Achte besonders auf den Bereich vor dem <?php-Tag und nach der letzten Zeile.
Schritt 4: Datenbank prüfen
Öffne phpMyAdmin und prüf in der Tabelle wp_options:
siteurlundhomeenthalten deine korrekte Domainactive_pluginsenthält nur Plugins, die du kennst- Durchsuch
wp_postsnach<scriptodereval(
Schritt 5: Dateien scannen
Such per SSH oder FTP nach verdächtigen Dateien:
- PHP-Dateien in
wp-content/uploads/ - Kürzlich geänderte Core-Dateien (Vergleich mit dem offiziellen WordPress-Paket)
- Dateien mit
eval(,base64_decode(,gzinflate(,gzuncompress(oderstr_rot13( - Unbekannte Dateien in
wp-content/mu-plugins/
Schritt 6: WordPress-Core ersetzen
Lade eine frische Kopie von WordPress herunter und ersetz die Verzeichnisse
wp-admin/ und wp-includes/ komplett. Das stellt sicher, dass keine
manipulierten Core-Dateien zurückbleiben. wp-content/ und
wp-config.php bleiben erhalten (die hast du bereits manuell geprüft).
Schritt 7: Passwörter und Zugangsdaten ändern
Nach der Bereinigung änderst du sofort:
- Alle WordPress-Benutzerpasswörter (besonders Admins)
- FTP/SFTP-Zugangsdaten
- Datenbank-Passwort (und in der
wp-config.phpaktualisieren) - Hosting-Panel-Passwort
- WordPress Security Salts (im Salt-Generator neue erstellen)
Nach der Bereinigung: Website absichern
Die Bereinigung allein schützt dich nicht vor dem nächsten Angriff. Die neun Maßnahmen, die nach jeder Infektion gelten, stehen gesammelt unter Nach der Bereinigung absichern, von den Passwörtern bis zur gesperrten PHP-Ausführung im Upload-Verzeichnis. Welche Einfallstore dahinterstehen, steht bei den häufigsten WordPress-Angriffsvektoren.
Zwei Punkte kommen beim Redirect Hack dazu, weil er genau dort wieder auftaucht:
- Weiterleitungsregeln beobachten:
.htaccessundwp_optionsnach der Bereinigung ein paar Tage lang auf neue Einträge prüfen, am einfachsten über eine Datei-Integritätsprüfung - Mobil und aus der Suche testen: Viele Varianten leiten nur auf Mobilgeräten oder nur bei Besuchern mit Google-Referrer um, im Direktaufruf am Desktop bleibt die Seite unauffällig
Wann du professionelle Hilfe brauchst
Eine Bereinigung in Eigenregie ist machbar, wenn du Erfahrung mit FTP, phpMyAdmin und WordPress-Dateien hast. Hol dir professionelle Hilfe, wenn:
- Der Redirect nach der Bereinigung wiederkommt (Backdoor nicht gefunden)
- Du die Malware-Quelle nicht identifizieren kannst
- Google eine Sicherheitswarnung anzeigt (Blacklist-Entfernung nötig)
- Personenbezogene Daten betroffen sein könnten (DSGVO-Meldepflicht)
- Es sich um einen geschäftskritischen Online-Shop handelt
Prävention: So verhinderst du Redirect Hacks
Die beste Bereinigung ist die, die nie nötig wird. 91% der 2025 neu gemeldeten Schwachstellen im WordPress-Ökosystem steckten in Plugins (Patchstack, State of WordPress Security in 2026), also genau dort, wo regelmäßige Wartung greift. Der Unterschied zwischen Absicherung und Prävention ist dabei nur die Reihenfolge: Dieselben Maßnahmen, die nach einer Infektion Pflicht sind, verhindern sie vorher.
Mit einem professionellen Wartungspaket sind all diese Maßnahmen abgedeckt. Updates, Sicherheits-Monitoring, Backups und ein fester Ansprechpartner mit einer Reaktionszeit, die je nach Paket zwischen 4 und 24 Stunden an Werktagen liegt.
Ob die Bereinigung wirklich vollständig war, klärt ein WordPress-Sicherheitscheck. Redirect-Hacks hinterlassen typischerweise mehrere Persistenzmechanismen, und ein Checksummenvergleich gegen das offizielle Release zeigt zuverlässiger als jeder Scanner, welche Dateien noch verändert sind.
Quellen
- Patchstack: State of WordPress Security in 2026 (Daten für 2025: 91% der neu gemeldeten Schwachstellen in Plugins)
- Sucuri: 2023 Hacked Website & Malware Threat Report (Verbreitung von SEO-Spam und Redirect-Infektionen)
Dennis Theis
Freiberuflicher Webentwickler aus Berlin. Schwerpunkt sind Websites, die an die Systeme angebunden sind, in denen die Daten schon liegen.
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