Website oder Social Media: Brauche ich beides?
„Wir haben doch Instagram.“ Den Satz höre ich meistens von Gründern in den ersten beiden Jahren, und er ist nicht falsch: Für den Anfang kann ein Profil reichen. Nur ersetzt es die Website nicht, sondern verschiebt sie. Wann das in Ordnung ist und ab wann es teuer wird.
Von Dennis Theis aktualisiert 5 Min. Lesezeit
Das Plattform-Risiko
Im Januar 2025 hat TikTok in den USA für 14 Stunden den Betrieb eingestellt. 170 Millionen Nutzer hatten keinen Zugriff. Stell dir vor, dein gesamtes Marketing liegt auf einer Plattform, und die schaltet ab. Nicht hypothetisch, sondern real.
Instagram ändert seinen Algorithmus alle paar Monate. Was gestern 10.000 Impressionen gebracht hat, bringt morgen 2.000. LinkedIn reduziert die organische Reichweite für Unternehmensseiten kontinuierlich, um Werbebudget zu generieren. Facebook zeigt Unternehmens-Posts nur noch einem Bruchteil der Follower.
All das passiert auf Plattformen, die dir nicht gehören. Deine Website gehört dir. Deine Domain, dein Hosting, deine Inhalte, deine Daten. Das kann dir niemand abschalten, drosseln oder hinter eine Paywall schieben.
Was eine Website kann, was Social Media nicht kann
Gefunden werden, wenn jemand sucht
Wenn jemand „Webentwickler für mittelständische Unternehmen“ in Google eingibt, zeigt Google Websites, nicht Instagram-Profile. Social Media ist gut für Markenbekanntheit. Aber wenn jemand aktiv nach einer Lösung sucht, findet er sie über Google. Und Google indexiert deine Website, nicht deinen letzten Instagram-Post.
Vertrauen aufbauen bei Entscheidern
Ein Geschäftsführer, der einen Dienstleister sucht, will Referenzen sehen, Leistungen verstehen und Kontaktdaten finden. Das macht er nicht auf Instagram. Er googelt den Firmennamen, klickt auf die Website, und entscheidet in 10 Sekunden ob das seriös wirkt. Ohne Website? Nächster Anbieter.
Content, der bleibt
Ein Instagram-Post hat eine Halbwertszeit von 48 Stunden. Ein Blog-Artikel auf deiner Website bringt dir Traffic über Monate und Jahre, wenn er für die richtigen Keywords optimiert ist. Ich betreue Websites mit Artikeln, die noch Jahre nach der Veröffentlichung jeden Monat Anfragen bringen. Kein Social-Media-Post hat diese Lebensdauer.
Was Social Media kann, was eine Website nicht kann
Fairerweise: Social Media hat Stärken, die eine Website nicht ersetzen kann.
- Persönlichkeit zeigen: Hinter-die-Kulissen-Content, spontane Einblicke, persönliche Meinung. Das funktioniert auf LinkedIn und Instagram besser als auf einer Unterseite
- Community aufbauen: Kommentare, Diskussionen, DMs. Direkter Dialog mit der Zielgruppe
- Schneller Content: Ein Post ist in 10 Minuten erstellt. Ein Website-Update braucht mehr Vorlauf
- Reichweite bei Null-Budget: Für den Start reicht ein gutes Profil kostenlos, eine professionelle Website kostet Geld
Die richtige Reihenfolge
Hier ist, was ich in der Praxis empfehle:
Phase 1 (Gründung, knappes Budget): LinkedIn- oder Instagram-Profil als digitale Visitenkarte. Funktioniert als Minimum Viable Presence. Aber: Sicher dir frühzeitig deine Wunschdomain. Die kostet 10 EUR/Jahr und kann später zur Website werden.
Phase 2 (erste Kunden, stabiler Umsatz): Eigene Website mit 5–8 Seiten, SEO-optimiert. Ab jetzt findest du Kunden über Google, nicht nur über Empfehlungen und Social Media. Das ist der Punkt, ab dem dein Marketing skalierbar wird.
Phase 3 (Wachstum): Website + Blog + Social Media als Gesamtstrategie. Blog-Artikel liefern den SEO-Traffic, Social Media verstärkt die Reichweite und baut die persönliche Marke. Beides zusammen ist mehr als die Summe der Teile.
Was fehlt, wenn nur das Profil existiert
Die Konstellation sieht bei lokalen Betrieben oft gleich aus: ein gepflegtes Profil, ein paar tausend Follower, und Anfragen kommen trotzdem fast nur über Empfehlungen. Wer den Namen googelt, findet einen Eintrag im Branchenprofil und sonst wenig.
Das Profil ist dabei nicht das Problem. Es erreicht die Leute, die ohnehin schon folgen. Wer dagegen nach „Elektriker“ plus Ortsname sucht, landet in der lokalen Suche, und dort entscheidet, was auffindbar ist: Öffnungszeiten, Leistungen, Anfahrt und eine Seite, auf die der Eintrag verweisen kann. Fehlt diese Seite, ist der Eintrag eine Visitenkarte ohne Rückseite, und die Entscheidung fällt beim nächsten Treffer.
Warum sich Social Media produktiver anfühlt
Social Media gibt dir sofort eine Rückmeldung. Du postest, es passiert etwas, die Zahl unter dem Beitrag steigt. Genau das macht es so attraktiv, wenn ein Geschäft gerade anläuft und sonst wenig passiert. Nur sagt diese Zahl nichts darüber, ob jemand kaufen will.
Eine Website gibt diese Rückmeldung nicht. Sie liegt da, und ob sie funktioniert, siehst du erst in der Search Console oder im Postfach. Dafür wird sie mit jedem Monat etwas besser auffindbar, während der Beitrag von letzter Woche nicht mehr auftaucht. Wer beides eine Weile parallel betreibt, merkt den Unterschied an der Frage, woher die Anfragen kommen, die am Ende zu Aufträgen werden.
Dennis Theis
Freiberuflicher Webentwickler aus Berlin. Schwerpunkt sind Websites, die an die Systeme angebunden sind, in denen die Daten schon liegen.
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