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Strategie

Website oder Social Media: Brauche ich beides?

„Wir haben doch Instagram.“ Diesen Satz höre ich regelmäßig, meistens von Gründern in den ersten 2 Jahren. Die kurze Antwort: Social Media ersetzt keine Website. Die längere Antwort erklärt, warum, und wann Social Media trotzdem der richtige erste Schritt ist.

Von Dennis Theis · · 6 Min. Lesezeit

Smartphone mit Social-Media-Apps auf einem Holztisch

Das Plattform-Risiko

Im Januar 2025 hat TikTok in den USA für 14 Stunden den Betrieb eingestellt. 170 Millionen Nutzer hatten keinen Zugriff. Stellen Sie sich vor, Ihr gesamtes Marketing liegt auf einer Plattform, und die schaltet ab. Nicht hypothetisch, sondern real.

Instagram ändert seinen Algorithmus alle paar Monate. Was gestern 10.000 Impressionen gebracht hat, bringt morgen 2.000. LinkedIn reduziert die organische Reichweite für Unternehmensseiten kontinuierlich, um Werbebudget zu generieren. Facebook zeigt Unternehmens-Posts nur noch einem Bruchteil der Follower.

All das passiert auf Plattformen, die Ihnen nicht gehören. Ihre Website gehört Ihnen. Ihre Domain, Ihr Hosting, Ihre Inhalte, Ihre Daten. Das kann Ihnen niemand abschalten, drosseln oder hinter eine Paywall schieben.

Was eine Website kann, was Social Media nicht kann

Gefunden werden, wenn jemand sucht

Wenn jemand „Webentwickler für mittelständische Unternehmen“ in Google eingibt, zeigt Google Websites, nicht Instagram-Profile. Social Media ist gut für Markenbekanntheit. Aber wenn jemand aktiv nach einer Lösung sucht, findet er sie über Google. Und Google indexiert Ihre Website, nicht Ihren letzten Instagram-Post.

Vertrauen aufbauen bei Entscheidern

Ein Geschäftsführer, der einen Dienstleister sucht, will Referenzen sehen, Leistungen verstehen und Kontaktdaten finden. Das macht er nicht auf Instagram. Er googelt den Firmennamen, klickt auf die Website, und entscheidet in 10 Sekunden ob das seriös wirkt. Ohne Website? Nächster Anbieter.

Content der bleibt

Ein Instagram-Post hat eine Halbwertszeit von 48 Stunden. Ein Blog-Artikel auf Ihrer Website bringt Ihnen Traffic über Monate und Jahre, wenn er für die richtigen Keywords optimiert ist. Ich habe Artikel, die seit 3 Jahren jeden Monat Anfragen generieren. Kein Social-Media-Post hat diese Lebensdauer.

Was Social Media kann, was eine Website nicht kann

Fairerweise: Social Media hat Stärken, die eine Website nicht ersetzen kann.

  • Persönlichkeit zeigen: Hinter-die-Kulissen-Content, spontane Einblicke, persönliche Meinung. Das funktioniert auf LinkedIn und Instagram besser als auf einer Unterseite
  • Community aufbauen: Kommentare, Diskussionen, DMs. Direkter Dialog mit der Zielgruppe
  • Schneller Content: Ein Post ist in 10 Minuten erstellt. Ein Website-Update braucht mehr Vorlauf
  • Reichweite bei Null-Budget: Für den Start reicht ein gutes Profil kostenlos, eine professionelle Website kostet Geld

Die richtige Reihenfolge

Hier ist, was ich in der Praxis empfehle:

Phase 1 (Gründung, knappes Budget): LinkedIn- oder Instagram-Profil als digitale Visitenkarte. Funktioniert als Minimum Viable Presence. Aber: Sichern Sie sich frühzeitig Ihre Wunschdomain. Die kostet 10 EUR/Jahr und kann später zur Website werden.

Phase 2 (erste Kunden, stabiler Umsatz): Eigene Website mit 5–8 Seiten, SEO-optimiert. Ab jetzt finden Sie Kunden über Google, nicht nur über Empfehlungen und Social Media. Das ist der Punkt, ab dem Ihr Marketing skalierbar wird.

Phase 3 (Wachstum): Website + Blog + Social Media als Gesamtstrategie. Blog-Artikel liefern den SEO-Traffic, Social Media verstärkt die Reichweite und baut die persönliche Marke. Beides zusammen ist mehr als die Summe der Teile.

Ein Beispiel aus meiner Praxis

Ein Handwerksbetrieb kam zu mir mit 2.500 Instagram-Followern und null Website. Die Follower waren schön, aber Anfragen kamen fast nur über Empfehlungen. Wer den Betrieb googelte, fand einen halbleeren Google-Business-Eintrag.

Wir haben eine einfache Website mit 6 Seiten gebaut, optimiert für lokale Suchbegriffe. Drei Monate später kamen 40% der Anfragen über Google. Instagram blieb wichtig für die Marke, aber die Website wurde zum Hauptkanal für echte Geschäftsanfragen.

Die unbequeme Wahrheit

Social Media fühlt sich produktiv an. Sie posten, bekommen Likes, die Zahlen steigen. Aber Likes sind kein Umsatz. Follower sind keine Kunden. Und Reichweite auf einer fremden Plattform gehört nicht Ihnen.

Eine Website ist weniger aufregend. Kein sofortiges Feedback, keine Dopamin-Hits. Aber sie arbeitet für Sie, während Sie schlafen. 24/7, über Google, ohne Algorithmus-Abhängigkeit. Das ist der Unterschied zwischen Content-Konsum und Content als Geschäftsgrundlage.